5G-Campus-Netz – für hier oder zum Mitnehmen?

12.07.2022 by Ümit Günes
Smarte Roboterarme in einer Produktionsanlage

Ein eigenes Campus-Netz auf dem Betriebsgelände eröffnet Unternehmen enorme Möglichkeiten – vor allem mit der Latenz, Bandbreite und Zuverlässigkeit von 5G.

Die Deutsche Messe hält einige Rekorde: Unter anderem bietet sie in Hannover mit 1,5 Millionen Quadratmetern Fläche, davon fast eine halbe Million überdacht, das größte Messegelände der Welt. Jetzt ist eine neue Bestmarke hinzugekommen: Hannover verfügt seit kurzem auch über Europas größten 5G-Messe-Campus, offiziell eröffnet zum Start der Hannover Messe im Mai 2022.

Messegelände mit doppeltem Netz

Errichtet hat das Campus-Netz für fast 50 Gebäude – darunter die Messehallen, Bürogebäude und zwei Kongresszentren – die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Technologiepartner Ericsson. Genau genommen sind es zwei Netze, die jetzt in Hannover Daten transportieren: ein öffentliches 5G-Netz für Messebesucher, Kunden, Zulieferer. Und ein privates 5G-Netz für die Forschung, für Aussteller und Firmen. „Die beiden Netze sind aus Sicherheitsaspekten getrennt“, sagt Kevin Toppel, Servicetechniker beim Telekom RAN Team Hannover (siehe Video). „Hier wird der Datenverkehr komplett aufgesplittet. Das heißt: Was die Messe und ihre Aussteller hier in ihrem Netz machen, bleibt auch in deren Netz und hat nichts mehr mit dem öffentlichen Netz der Telekom zu tun.“ Für den Betrieb des privaten Netzwerks hat sich die Messe Industriefrequenzen der Bundesnetzagentur (im Spektrum bei 3,7 GHz) gesichert. Das öffentliche 5G-Netz der Telekom funkt getrennt davon bei 3,6 GHz. Insgesamt stehen auf dem Messegelände so 2x100 MHz Bandbreite zur Verfügung.

Mit diesem „5G Smart Venue“ ist in Hannover ein innovativer Multifunktionscampus entstanden, eine riesige Präsentations- und Testfläche für industrielle 5G-Anwendungen der Zukunft. „Messen sind ein Ort von Innovation – und 5G treibt Innovationen in vielen Anwendungsbereichen“, sagt Marcus Eibach, Betriebsleiter IT & Services der Deutsche Messe AG. „Wir wollen unseren Kunden auf dem Gelände mit einem privaten Campus-Netz ermöglichen, dass diese Innovationen aus verschiedenen Branchen und Anwendungsbereichen hier greifbar und erlebbar gemacht werden.“

Mobile Roboter und automatisierte Transportsysteme

Dieser „Erlebnispark für Industrie 4.0“, wie es die Messe auf ihrer Website umschreibt, bietet unter anderem die nötige Latenz, Bandbreite und Zuverlässigkeit (siehe Infobox) von 5G für viele verschiedene Branchen und Anwendungsgebiete. Hierbei spielt das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) die entscheidende Rolle: Es vernetzt via 5G Produktionsmaschinen miteinander, sorgt für eine lückenlose Überwachung von Lieferketten in der Logistik oder ermöglicht über Sensorik innovative Anwendungen in der Smart City. „Im Bereich Produktionstechnik werden wir mobile Roboter sehen“, sagt Eibach. „Ein weiterer Bereich sind automatisierte Transportsysteme, sogenannte AGVs.“ Solche Automated Guided Vehicles transportieren in Fabriken, Lagerhallen oder auf Industriegeländen selbstständig Fertigungsteile oder Produkte und navigieren dank Technologien wie 5G und Precise Positioning autonom.

Auch der Maschinenbauer Arburg aus dem Nordschwarzwald hat sich in seiner Zentrale in Loßburg ein 5G-Campus-Netz installieren lassen. Dort testet der Hersteller von Spritzgießmaschinen innovative Anwendungen für die eigene Produktion wie autonome Transportsysteme, industrielle Roboter oder automatisierte Produktionsprozesse. Im Arburg-Kundencenter können Industrie-Kunden aus kunststoffverarbeitenden Branchen wie der Automobil- und Verpackungsindustrie oder der Medizintechnik digitale Fertigungs-Konzepte testen.

5G in der Siemensstadt

Welche Möglichkeiten private 5G-Netzwerke bieten (siehe Infobox), können sich interessierte Unternehmen neuerdings auch im Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science anschauen, einem Industrie- und Wissenschaftscampus im Berliner Zukunftsort Siemensstadt. Das Campus-Netz der Telekom versorgt das Gelände sowohl indoor als auch outdoor mit 5G-Mobilfunk. So können Besucher beispielsweise erleben, wie sich diverse autonome Fahrzeuge und mobile Roboter sicher und schnell auf dem Areal bewegen, wie sich Objekte zentimetergenau und in Echtzeit am Monitor verfolgen lassen oder wie sich mit Technologien wie Computer Vision, Augmented Reality, Künstlicher Intelligenz oder Edge Computing Produktionsprozesse optimieren und beschleunigen lassen.

Das bietet ein 5G-Campus-Netz

  • Hohe Datenraten
  • Geringe Komplexität
  • Maximale Sicherheit
  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Wenig Energiebedarf
  • Hohe Kapazität
  • Niedrige Latenz
  • Hohe Gerätedichte
  • Präzise Positionierung
  • Optimale Mobilität
  • Indoor- und Outdoor-Abdeckung


 

5G-Netz zum Mitnehmen

Noch realitätsnäher wird es mit der 5G Box To Go, einer Art mobilem 5G-Campus-Netz (siehe Foto). Das Rack auf Rädern enthält alle Komponenten für den Aufbau eines privaten 5G-Netzes und lässt sich Handumdrehen installieren. Mit diesem vorkonfigurierten, schlüsselfertigen „Try & Buy“-Angebot der Telekom können interessierte Unternehmen auf ihrem Firmengelände unverbindlich ihre IoT-Anwendungen in einem lokalen 5G-Campus-Netz testen. Mit der Box lassen sich etwa 500 Quadratmeter Fläche abdecken, bei Bedarf auch auf einem Freigelände.

Das enthält die 5G Box To Go

  • 1 IRU (Indoor Radio Unit)
  • 2 Netzwerkcontroller
  • 1 Baseband Unit zur Signalverarbeitung
  • 1 GNSS-Empfänger (GPS-Antenne)
  • 4 Radio Dots (5G-Antennen)
  • 2 Router

Zum Angebot gehören unter anderem ein individueller Workshop inklusive Beratung, wie sich der gewünschte Use Case am besten umsetzen lässt, sowie Aufbau und Inbetriebnahme des Netzes. Auch bei der Frequenzbeantragung und der API-Einbindung ins Kundensystem können die Telekom-Experten unterstützen und die Installation an die Anforderungen des Kunden anpassen. Über eine VPN-Verbindung in die Telekom-Cloud haben die Nutzer Zugriff auf das Managementportal der Lösung. Im Dashboard lassen sich live alle im 5G-Netzwerk aktiven Geräte wie AGVs, Kameras und Maschinen oder Tablets und AR-Brillen abbilden und überwachen, Datenströme priorisieren, Rechte und Rollen vergeben oder Software-Updates festlegen. Mit einem optionalen Schreibgerät lassen sich individuelle SIM-Karten für alle angeschlossenen Geräte herstellen.

Verläuft der Test erfolgreich, lässt sich der Testaufbau in ein reguläres 5G-Campus-Netz überführen. Dazu stehen verschiedene Varianten zur Verfügung: von einem Basisnetz mit verstärktem 5G-Empfang über eine Kombination mit virtuellem privatem Netzwerk oder ein Kernnetz mit dedizierten Industriefrequenzen bis zu einem rein privaten 5G-Mobilfunknetz.


 

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Ümit Günes

Marketing Manager IoT

Seit 2015 arbeitet Ümit für die T-Systems und kennt sich in vielen Facetten des Internet der Dinge bestens aus. Er begeistert sich vor allem für Themen rund um die Digitalisierung der Geschäftswelt. Für den Blog berichtet er über neue Entwicklungen und Trends in der IoT-Welt, die für den Kunden einen echten Mehrwert bieten.