Pflege: Mehr Zeit für Patienten dank IoT

22.06.2020 by Daniel Kunz
Pflegekraft schaut auf dein Tablet.

Blut abnehmen, Laken wechseln, Infusion legen: Der Alltag von Pflegekräften ist fordernd. Die Dokumentation der Arbeitsschritte raubt zusätzlich Zeit. Mit IoT soll das in Zukunft per Knopfdruck passieren.

Sechs Uhr morgens, Schichtwechsel im Krankenhaus. Der Nachtdienst geht, der Frühdienst startet mit der alltäglichen Arbeit: Betten machen, Patienten bei der Körperpflege helfen, Verbände wechseln, Wunden reinigen, Medikationen vorbereiten, bei der Visite assistieren – aktuell mit FFP2-Schutzmasken und Handschuhen. Hinzu kommt aber weiterhin die Pflegedokumentation. Hier halten die Fachkräfte regelmäßig alle geplanten und bereits durchgeführten Maßnahmen schriftlich fest. So kann das medizinische Personal die gesamte Behandlung eines Patienten jederzeit nachvollziehen. Zudem dient sie als juristische Absicherung. Doch egal ob mit Stift und Papier oder mit Hilfe eines digitalen Systems: Die Pflegedokumentation kostet regelmäßig wertvolle Zeit und Nerven, denn in den aktuell herausfordernden Zeiten müssen Pflegekräfte – neben allen anderen Tätigkeiten – verstärkt auf Hygienevorschriften achten. Zudem mangelt es in der Branche an Fachkräften. Die Gründe: Schichtdienst, vergleichsweise geringe Vergütung, wenig Karrieremöglichkeiten und viel Bürokratie. Dieser Mangel wurde in der aktuellen Krisenzeit besonders deutlich.

Mehr Zeit für die Pflege dank Digitalisierung

Obwohl Pflegekräfte systemrelevant sind, fehlen Krankenhäusern in der Regel die finanziellen Mittel, um diese Zustände zu verbessern. Laut einer Krankenhausstudie von KPMG zu Kliniken in Bayern und Baden-Württemberg aus dem Sommer 2019 verzeichnen sechs von zehn Krankenhäusern finanzielle Verluste im Vergleich zum Vorjahr. Nicht nur im Süden Deutschlands ein Problem, denn laut einer vorangegangenen Befragung sehen auch die Chefs jedes vierten Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen die Existenz ihrer Klinik in Zukunft bedroht, wenn die staatlichen Fördergelder nicht steigen. Laut einer aktuellen Studie der Universität zu Köln verstärkt die Corona-Pandemie die Missstände in der Pflege: Beschaffung und Verbrauch von Schutzausrüstung, die Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie die Sorge sich selbst zu infizieren erhöhen aktuell die Belastung.

Kurzfristig hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einige Maßnahmen beschlossen, die Mitarbeiter in Pflegeheimen entlasten sollen, wie die Aussetzung des Pflege-TÜV bis September 2020. Mit dem sogenannten Pflegepersonal-Stärkungsgesetz will die Bundesregierung den Alltag in der ambulanten und stationären Pflege auch langfristig verbessern. Neben der Finanzierung von weiteren Ausbildungsplätzen, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zusätzlichen finanziellen Mitteln für kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum soll die Digitalisierung die Pflegekräfte entlasten – vor allem bei der Pflegedokumentation. Seit in Kraft treten des Gesetzes am ersten Januar 2019 beteiligt sich der Bund mit Geldern in Höhe von bis zu 30.000 Euro je Einrichtung an digitaler oder technischer Ausrüstung.

Das Internet of Things (IoT) ist eine passende Technologie für eine kostengünstige und schnelle Digitalisierung des Krankenhausalltags. Denn viele Lösungen funktionieren per Plug and Play und haben eine autarke Stromversorgung und Konnektivität. Solche Anwendungen hat beispielsweise die Uniklinik Mainz bereits erfolgreich getestet. Gemeinsam mit Experten der Telekom entwickelte das Klinikum beim Healthcare Hackathon im Juli 2019 eine smarte Lösung für die Pflegedokumentation.

Pflegedokumentation auf Knopfdruck mit IoT

Das Ergebnis: Der IoT Service Button für Pflegekräfte, den das Uniklinikum Mainz auch erfolgreich einsetzt. Ein Beispiel: Wenn Pflegekräfte bestimmte Medizingeräte benutzen wollen, genügt ein Knopfdruck für die Bestellung und Dokumentation. Benötigt eine Pflegekraft beispielsweise eine Vakuumpumpe zur Unterstützung der Wundheilung, genügt ein Klick. Automatisch sendet der Button ein Signal an die Cloud der Dinge – die Plattform für das Internet of Things der Telekom. Daraufhin erhält das Materiallager des Krankenhauses umgehend eine E-Mail und liefert die Pumpe so schnell wie möglich kontaktlos. Gleichzeitig sendet der Button ein Signal an die Krankenhauslogistik.

Diese dokumentiert digital, dass die Pumpe verwendet wird. Ist die Behandlung mit der Vakuumpumpe beendet, drückt die Pflegekraft erneut den Button. Die Krankenhauslogistik erhält ein Signal, dass die Pumpe abgeholt und gereinigt werden muss und vermerkt, dass die Wundbehandlung mit der Pumpe beendet ist. Schriftliche Dokumentation, Faxen und Telefonieren entfallen und die Medizingeräte sind deutlich schneller dort, wo sie gebraucht werden. „Pflegekräfte sparen so bis zu 20 Minuten Zeit pro Vorgang“, sagt Henning Koch, Projektverantwortlicher und Business Development Manager Digital Health bei der Telekom.

Digitalisierung macht Arbeit in der Pflege attraktiver

Der Button verzeichnet nicht nur den Einsatz von Medizingeräten, sondern erleichtert jede Art von Bestellprozessen. Beispielsweise wenn Betten gereinigt, Instrumente zur Sterilisation geschickt oder Zimmer desinfiziert wurden – gerade in der aktuellen Zeit für die Pflegedokumentation besonders wichtig. „Ich freue mich, dass innovative Internet der Dinge-Technologien auch im Gesundheitswesen stärker nachgefragt werden“, sagt Projektleiter Koch. Das reduziert wiederum Überstunden und Stress und macht letztlich auch das Berufsbild der Pflegekraft attraktiver. Der IoT Service Button, aber auch andere Lösungen aus dem Internet of Things lassen sich individuell an die verschiedenen Bedürfnisse von Organisationen im Gesundheitswesen anpassen – auch Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime können sie einsetzen.


 

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Daniel Kunz
Daniel Kunz

Expert Digital Marketing

Digitalisierung und das Internet of Things gehören zu den Lieblingsthemen von Daniel Kunz. Er ist seit 2017 bei der Deutschen Telekom und schreibt regelmäßig über Technologie-Trends und viele spannende Themen vor allem für den Handel und die Logistik-Branche.