Wie Digitalisierung die Wertschöpfung verbessert

27.09.2021 by Ümit Günes
Mann mit Tablet in der Hand steht in einer Werkshalle vor Robotern.

Das neue Trendbook Smarter Production zeigt, wie Digitalisierung die Wertschöpfung von Produktionsbetrieben in drei zentralen Bereichen optimiert. Drei Mittelständler demonstrieren, wie es gelingen kann.

An der deutsch-polnischen Grenze, nicht einmal zehn Kilometer von Frankfurt an der Oder entfernt, hat der mittelständische Sensorenhersteller Fraba seinen Produktionsstandort errichtet. Das runde, silberne Bauwerk im polnischen Slabice mutet schon von außen futuristisch an – und lässt erahnen, wohin die Reise im Inneren der vernetzten Fabrik geht. Die Zukunft der Fertigung ist hier bereits real.

Digitale Fertigung erhöht Produktivität enorm

Individuell gefertigte Produkte sind seit jeher das Markenzeichen Frabas. Früher produzierte das Unternehmen handwerklich, heute setzt der Mittelständler auf Digitalisierung. Dank Digital Mass Customization fertigt Fraba Einzelstücke und Kleinserien mit Verfahren der Massenproduktion. Mithilfe einer selbst entwickelten Cloud-IT-Lösung hat das Unternehmen zudem Produktionsprozesse automatisiert und Papier als Informationsträger abgeschafft. Die digitale Fernsteuerung schlägt sich eindrucksvoll in Zahlen nieder: Die Produktivität erhöhte sich – bezogen auf einen Euro Lohnkosten – um 500 Prozent.

Fraba ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich die Wertschöpfung durch beschleunigte Frontoffice-Prozesse verbessern lässt. Laut Trendbook Smarter Production steigert die Digitalisierung die Wertschöpfung von Produktionsbetrieben in drei zentralen Bereichen: in Ausrichtung auf den Kunden, innerhalb des Betriebs und den unterstützenden Prozessen. „Dafür ist es notwendig, dass Unternehmen die gesamte Prozessstruktur überarbeiten und digitalisieren. Sie müssen ihre Frontoffice-Prozesse beschleunigen, die Wertschöpfungsprozesse verbessern und alle Backoffice-Prozesse effizienter machen“, erklären die Autoren der Studie. Beim Frontoffice handelt es sich um den vorderen Bereich des Unternehmens mit direktem Kundenkontakt. Im Backoffice finden alle internen Unternehmensprozesse statt, die für Kundinnen und Kunden nicht sichtbar sind – wie zum Beispiel Produktion, Lager oder Buchhaltung. Das Trendbook legt den Fokus auf die interne Digitalisierung als Erfolgsfaktor für Produktionsunternehmen.

Betriebsorientierte Wertschöpfung mit digitalen Daten

Ein Beispiel für eine gelungene betriebsorientierte Wertschöpfung ist das mittelständische Unternehmen Phoenix Contact. Das auf Elektrotechnik spezialisierte Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Blomberg stellt rund 60.000 verschiedene Produkte teils hochautomatisiert und digital her. Über einen Web-Konfigurator können Kunden zum Beispiel bis zu 1.000 Varianten eines Trennverstärkers gestalten und bestellen. Sämtliche bei der Produktion beteiligten Systeme nutzen digitale Daten – von der Auftragserstellung bis zum fertigen Produkt und der Logistik. Das Weltwirtschaftsforum hat die Digitalisierung bei Phoenix Contact mit dem Prädikat „Global Lighthouse“ für Industrie 4.0 ausgezeichnet, das den Einsatz innovativer Technologie würdigt.

Laut der Benchmark-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021“ von techconsult und der Deutschen Telekom nutzen bereits mehr als drei von vier Industrieunternehmen (78 Prozent) Data Analytics, um Prozesse zu überwachen, zu optimieren oder neue Produkte zu entwickeln. Jedes fünfte mittelständische Unternehmen verknüpft die Analysen darüber hinaus mit Künstlicher Intelligenz (KI). Unternehmen in der Industrie mit einem hohen Digitalisierungsgrad haben auch die Coronakrise gut bewältigt, weil sie Geschäftsmodelle oder ihre Prozesse schon zuvor umfassend digitalisiert hatten. Dies bestätigen laut der Studie 81 Prozent der Unternehmen. Dem Digitalisierungsindex zufolge hat die Industrie das Tempo der digitalen Transformation aufgrund der Coronakrise weiter erhöht.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PwC hat fünf Faktoren identifiziert, die eine gute Datenstrategie ausmachen. „Viele Unternehmen haben massiv in Technologien und Infrastruktur für Data Analytics investiert und sind frustriert, dass sich diese Investitionen nicht unmittelbar auszahlen“, sagt Holger Schmidt, Partner, PwC Strategy & Germany. „Unsere Analyse zeigt, an welchen Stellschrauben sie drehen müssen, um die Vorteile voll auszuschöpfen.“ Der Studie zufolge bilden diese fünf Themen die Eckpfeiler jeder Datenstrategie und entscheiden über den Erfolg:

  • Die Organisationsstruktur: Die Struktur bildet PwC zufolge den Umgang des Unternehmens mit seinen Ressourcen und Aktivitäten ab. Sie zeige außerdem, an welchen Datenprojekten die Beschäftigten aktuell arbeiten, wie die Zusammenarbeit funktioniert und wie die Daten-Governance strukturiert ist.
  • Der Umgang mit personellen Ressourcen: Der Umgang mit personellen Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hat großen Einfluss darauf, wie Unternehmen Datenexpertise aufbauen und Fachkräfte binden können.
  • Das Betriebsmodell für Data & Analytics: Vom Betriebsmodell hängt laut PwC ab, wie Unternehmen mit einzelnen Use Cases und Dateninitiativen umgehen. „Das Ziel: Wissen und Informationen teilen und fundiert entscheiden, welche Use Cases implementiert werden sollen.“
  • Die Plattform-Landschaft: Den Analysten zufolge verursachen zu viele unterschiedliche Plattformen hohe Kosten für Betrieb, Schnittstellen, Compliance und Personal. Der Goldstandard: eine einheitliche Technologieplattform.
  • Die Philosophie für den Datenzugang: Unternehmen müssen entscheiden, ob alle Daten für Beschäftigte zugänglich sind oder der Zugang beschränkt ist. PwC: „Bei dieser Grundsatzentscheidung geht es darum, so viel wie möglich aus den Daten herauszuholen, sie aber gleichzeitig zu schützen.“ Der Trend gehe zu offenen Daten – sofern es die regulatorischen Vorgaben erlauben.

Smartes Campus-Netz für drahtlose Vernetzung

Auf Digitalisierung setzt indes auch der Münchener Leuchtmittelhersteller Osram. Mit der Telekom entwickelte Osram für die Smart Factory ein Campus-Netz auf Basis der 4G/5G-Technolgie, um Maschinen in einem realen Produktionsumfeld drahtlos zu vernetzen. „Die neue Funktechnologie beschleunigt den Datenverkehr – etwa beim videobasierten Abgleich von Stückzahlen mit Auftragsdaten und bei der Implementierung von Advanced Analytics für eine präventive Instandhaltung“, erklären die Autoren des Trendbooks. In Zukunft könne das Unternehmen Daten, die an Sensoren, Bauteilen, Maschinen oder Robotern entstehen, schneller als bisher in einem Cloud-Rechenzentrum erfassen und mithilfe von Künstlicher Intelligenz analysieren und auswerten.


 

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Ümit Günes
Ümit Günes

Marketing Manager IoT

Seit 2015 arbeitet Ümit für die T-Systems und kennt sich in vielen Facetten des Internet der Dinge bestens aus. Er begeistert sich vor allem für Themen rund um die Digitalisierung der Geschäftswelt. Für den Blog berichtet er über neue Entwicklungen und Trends in der IoT-Welt, die für den Kunden einen echten Mehrwert bieten.