Select AG: Autodaten per IoT für freie Werkstatt

23.08.2021 by Annalena Rauen
Werkstattmitarbeiter/in führt Servicearbeiten durch

Die SELECT AG zählt zu den führenden Akteuren im deutschen Independent Aftermarket. Mit einer IoT-Lösung versorgt die Einkaufskooperation freie Werkstätten mit Fahrzeugdaten und macht diese wettbewerbsfähiger.

Den Ölfilter austauschen, Reifen wechseln, abgefahrene Bremsbeläge erneuern oder die jährliche Inspektion durchführen: Die Aufgaben einer Autowerkstatt sind vielfältig. Informationen über Servicebedarf und Störungen funken Autos jedoch nur an die Automobilhersteller und Vertragswerkstätten. Ein klarer Nachteil für freie Werkstätten, den die Cloud-IoT-Lösung des Teilegroßhändlers SELECT AG nun beenden könnte.

Vorausschauende Wartung durch SIM-Karten

Denn seit Einführung des automatischen Notrufsystems in allen Autos im Jahr 2018 erhalten Autohersteller und die ihnen angeschlossenen Kfz-Werkstätten über im Auto verpflichtend verbaute SIM-Karten vollautomatisiert sämtliche Fahrzeugzustandsdaten. Dadurch können Werkstätten ihre Kunden unmittelbar ansprechen und über anstehende Reparaturen informieren. „Bei rund 45 Millionen Fahrzeugen, die über Deutschlands Straßen rollen, ein enormes Ertragspotenzial.“ sagt Daniel Trost, Chief Digital Officer bei der SELECT AG. Die Informationen bleiben bisher jedoch bei den Automobilherstellern und sind für die mehr als 21.000 freien Werkstätten in Deutschland nicht zugänglich. Ein Wettbewerbsnachteil im deutschen Independent Aftermarket, findet die SELECT AG und suchte nach einer Lösung.

Vernetzte Fahrzeuge: Ein Vorteil für freie Werkstatt und Fahrer

Denn auch für freie Kfz-Werkstätten ist der Zugriff auf die Daten im Fahrzeug Voraussetzung um bestehenden und potenziellen Kunden digitale Services wie eine vorausschauende Wartung anbieten zu können. Beispielweise nach Ablauf der Garantie eines Neuwagens, wenn Fahrer zu einer Werkstatt ihrer Wahl wechseln möchten. Der Teilegroßhändler Select AG will diese Daten mit Einverständnis der Autofahrer nicht nur zusammentragen, aufbereiten, verwerten und den freien Werkstätten sowie seinen Kunden zur Verfügung stellen, sondern sieht darin eine große Chance, Fahrer stärker an die freien Werkstätten zu binden. Um bei Datentransfer und -Verarbeitung die größtmögliche Sicherheit zu bieten, nutzen die Kfz-Werkstätten einen Mobile IP-VPN. In einem geschützen Netzwerk werden die Daten verschlüsselt übertragen und nur berechtigte Nutzer können auf diese zugreifen. Das zahlt auch auf die Anforderungen der EU DSGVO ein. Denn genau das wünschen sich Autofahrer von Dienstleistern wie Werkstätten laut einer Bitkom-Studie: 77 Prozent der Deutschen legen beim Autokauf immer mehr Wert auf digitale Dienste auf Grundlage von Fahrzeugdaten.

Connected Car sendet Fahrzeugdaten in die Cloud

Wie aber können freie Werkstätten auf die Fahrzeugdaten zugreifen, um den Service für ihre Kunden zu verbessern? Die SELECT AG entschied sich für eine IoT-Lösung aus der Cloud. Um die Fahrzeugdaten sammeln und analysieren zu können, bietet die SELECT AG den Werkstattkunden künftig an, Fahrzeuge mittels OBD2-Adapter (OBD = On-Board-Diagnose) und einer SIM-Karte sowie bei neueren Fahrzeugen über bereits angelegte Connected Car Verbindungen zu vernetzen. Die Schnittstelle ist für Benziner seit 2001 und für Diesel-Fahrzeuge seit 2004 verpflichtend. Die Daten des Fahrzeugs werden auf eine IoT-Plattform auf Basis der Microsoft Azure Cloud übertragen. Diese wird von der Telekom entwickelt, um sämtliche Informationen zu analysieren. Eine Künstliche Intelligenz wertet in der Cloud auf Basis vorliegender Daten aus, wann eine Kfz-Werkstatt welche Verschleißteile austauschen sollte, um den Ausfall des Fahrzeugs zu vermeiden. Über eine private Mobile IP-VPN-Verbindung greifen die freien Werkstätten auf die Fahrzeugdaten zu. Der VPN-Zugang gewährleistet dabei einen sicheren und DSGVO-konformen Datentransfer. 

Dadurch wissen die freien Kfz-Werkstätten, wann bei welchem Kunden eine Instandhaltung, Inspektion oder welche Reparatur fällig wird. Dank der Cloud-Plattform und dem vernetzten Auto erhält der Fahrer schnell eine Benachrichtigung.

Connected Car – die Funktionen

  • Datentransfer: Das vernetzte Auto übertragt Fahrzeugdaten an Unternehmen, Autohersteller, eine Vertragswerkstatt oder andere Fahrzeuge via Connected-Car-Technologien
  • Fahrzeugzustandsdaten: Das Connected Car sendet Informationen zu Kilometerstand, Reifendruck, Bremsverschleiß, Flüssigkeitsstand, Kraftstoffanzeige und Service-Bedarf zur Preventive Maintenance oder für eine vorausschauende Wartung
  • Echtzeitdaten für das Navigationssystem: Anzeigen von Verkehrsmeldungen, Sonderzielen, Parkmöglichkeiten, nächstmöglichen Lade- und Tankstellen sowie die Standortübermittlung des aktuellen Parkplatzes
  • Fahrdaten: Die Software im Connected Car gibt Infos zur ungefähren Fahrzeit, Tempo, Verbrauch und bereits gefahrener Strecke
  • Der Wagen meldet Unfälle und verfügt über ein Notrufsystem
  • Fahrerbezogene Daten: Das Connected Car speichert Informationen zum Fahrverhalten, Temperatur- und Sitzeinstellungen sowie verwendeten Medien und Tools im Auto

Internet of Things erhöht Kundenbindung

Bis Ende des Jahres wird die SELECT AG erste Fahrzeuge über OBD2-Adapter und SIM-Karte oder über Connected-Car-Lösungen vernetzen und die ausgelesenen Daten auf der neuen IoT-Plattform analysieren. Dank dieser Lösung können freie Werkstätten Kunden gezielter ansprechen, stärker an sich binden und einen besseren und schnelleren Service anbieten. Autos lassen sich nach dem Prinzip der Predictive Maintenance vorausschauend warten und benötigte Ersatzteile sind immer rechtzeitig vor Ort, um Ausfallzeiten zu reduzieren. Auch effizientere und kostengünstigere Logistikwege sind ein weiterer Vorteil der IoT-Lösung aus der Cloud. Aufgrund der Analysen der Künstlichen Intelligenz wissen Kfz-Betriebe künftig besser, wann sie welche Ersatzteile bestellen müssen. Durch die Cloud-Lösung sparen sowohl die freien Kfz-Werkstätten als auch die Logistiker Arbeit, Zeit und Geld.

Anwendung aus der Cloud als zweite Schnittstelle zum Autofahrer

Neben der IoT-Plattform soll es in der Azure Cloud im nächsten Schritt auch eine App geben. Die mobile Anwendung speichert beispielsweise die Fahrzeughistorie. Damit können Techniker besser und effizienter mit Fahrern kommunizieren. Bilder zum Fahrzeugzustand lassen sich schnell und einfach über das Smartphone versenden und Termine individuell vereinbaren.


 

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Annalena Rauen
Annalena Rauen

Marketing Managerin IoT

2016 hat Anna erstmalig IoT-Themen bei der Deutschen Telekom begleitet. Seitdem betreut sie Kunden Use Cases unterschiedlichster Branchen – immer fokussiert auf den Nutzen, den das Internet of Things generieren kann. Im IoT-Blog beschreibt sie echte Anwendungsfälle und welchen Mehrwert diese Innovationen für die Marktakteure, deren Geschäftsmodelle oder gar ganze Branchen bieten.