Ein Techniker fährt regelmäßig 80 Kilometer zu einer abgelegenen Telefonvermittlungsstelle in den schottischen Highlands. Sein Auftrag: einen Wasserhahn aufdrehen, das Wasser einige Minuten laufen lassen, die Temperatur messen, den Wert notieren, zurückfahren. Diese Szene wiederholt sich tausendfach in Großbritannien und ganz Europa, in Bürogebäuden, Krankenhäusern, Flughäfen und Industrieanlagen. Der Grund: Wasser, das über Tage in Leitungen steht, etwa weil ein Büro nur selten genutzt wird, kann zur Brutstätte für Legionellen werden – Bakterien, die die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere und potenziell tödliche Form der Lungenentzündung.
Welche Risiken stehendes Wasser birgt, zeigte sich im August 2023, als auf der Bibby Stockholm Legionellen im Wassersystem nachgewiesen wurden – einem Wohnschiff im englischen Portland, auf dem kurz zuvor Asylsuchende untergebracht worden waren. Alle 39 Bewohner mussten als Vorsichtsmaßnahme evakuiert werden. Die Wasserleitungen waren vor dem Einzug längere Zeit nicht in Betrieb gewesen, ein typisches Szenario für Bakterienwachstum. Vorschriften wie die britische Richtlinie HSG 274 verlangen von Gebäudebetreibern, dass Wasser mindestens einmal pro Woche durch jeden Anschluss fließt und die Temperaturen außerhalb des kritischen Bereichs zwischen 20 und 50 Grad Celsius bleiben.