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CreevX: Smartes IoT-Wassermanagement gegen Legionellen

Das nordirische Startup CreevX nutzt IoT-Sensoren und automatische Spülung, um Legionellen in Gebäude-Wassersystemen vorzubeugen. Telekom-Konnektivität ermöglicht die Skalierung in Europa. 

Wasser läuft aus einem Wasserhahn in ein Spülbecken.

In Kürze

  • CreevX kombiniert Temperatursensoren und automatische Ventile in einem IoT-Gerät, um die Wasserqualität in Gewerbegebäuden zu überwachen und zu steuern.
  • Das System schützt vor Legionellen, senkt die Compliance-Kosten um bis zu 60 Prozent und reduziert unnötiges Spülen um bis zu 90 Prozent.
  • Die IoT-Konnektivität der Deutschen Telekom ermöglicht CreevX den Einsatz in Großbritannien, Irland und Europa über einem einzigen Tarif.  

Wenn Wasserhähne zum Gesundheitsrisiko werden

Ein Techniker fährt regelmäßig 80 Kilometer zu einer abgelegenen Telefonvermittlungsstelle in den schottischen Highlands. Sein Auftrag: einen Wasserhahn aufdrehen, das Wasser einige Minuten laufen lassen, die Temperatur messen, den Wert notieren, zurückfahren. Diese Szene wiederholt sich tausendfach in Großbritannien und ganz Europa, in Bürogebäuden, Krankenhäusern, Flughäfen und Industrieanlagen. Der Grund: Wasser, das über Tage in Leitungen steht, etwa weil ein Büro nur selten genutzt wird, kann zur Brutstätte für Legionellen werden – Bakterien, die die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere und potenziell tödliche Form der Lungenentzündung.

Welche Risiken stehendes Wasser birgt, zeigte sich im August 2023, als auf der Bibby Stockholm Legionellen im Wassersystem nachgewiesen wurden – einem Wohnschiff im englischen Portland, auf dem kurz zuvor Asylsuchende untergebracht worden waren. Alle 39 Bewohner mussten als Vorsichtsmaßnahme evakuiert werden. Die Wasserleitungen waren vor dem Einzug längere Zeit nicht in Betrieb gewesen, ein typisches Szenario für Bakterienwachstum. Vorschriften wie die britische Richtlinie HSG 274 verlangen von Gebäudebetreibern, dass Wasser mindestens einmal pro Woche durch jeden Anschluss fließt und die Temperaturen außerhalb des kritischen Bereichs zwischen 20 und 50 Grad Celsius bleiben. 

Ein manueller Prozess mit blinden Flecken

Bislang ist die Legionellen-Compliance überwiegend ein manueller Prozess. Personal geht von Anschluss zu Anschluss, misst Temperaturen mit Handthermometern, öffnet Wasserhähne und notiert die Werte auf Papier. Das Verfahren ist teuer, zeitaufwendig und zudem unzuverlässig, denn es gibt keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die Arbeit tatsächlich erledigt wurde.

Das Problem hat sich seit der Pandemie verschärft. Hybrides Arbeiten führt dazu, dass viele Büroetagen, Küchen und Sanitärräume deutlich seltener genutzt werden, als es die Gebäudeplanung vorsieht. Wo ein Bürogebäude einmal für 2.000 Menschen ausgelegt wurde, sind heute an manchen Tagen nur noch 300 anwesend. Ganze Stockwerke können wochenlang leer stehen – und jeder ungenutzte Wasseranschluss ist ein potenzielles Compliance-Risiko. 

Nur spülen wenn nötig

Der Ansatz CreevX folgt einer zweistufigen Logik. In der ersten Phase werden die IoT-Geräte des nordirischen Start-ups (siehe Infobox) im Monitoring-Modus installiert. Über vier bis fünf Wochen sammeln sie Temperatur- und Wasserbewegungsdaten an allen Anschlüssen eines Gebäudes. Diese Daten zeigen, welche Anschlüsse regelmäßig „organisch“ genutzt werden – jemand kocht Tee, wäscht sich die Hände oder putzt – und welche stillstehen. Nur dort, wo die Daten bestätigen, dass Wasser tatsächlich stagniert, empfiehlt CreevX die Installation automatischer Ventile. Alle übrigen Anschlüsse werden weiterhin nur auf Temperatur überwacht. 

Die Vorteile dieser durchdachten Überwachung können erheblich sein. In einem Regierungsgebäude in Wales war nach der Pandemie flächendeckendes Spülen Standard. Nachdem das CreevX-System tatsächliche Nutzungsdaten lieferte, sank der Wasserverbrauch für Compliance-Zwecke um 90 Prozent – eine Einsparung von 1,4 Millionen Litern pro Jahr, etwa die Hälfte davon aufgeheiztes Wasser, das zuvor direkt in den Abfluss gespült worden war. Die damit verbundenen Energieeinsparungen waren beträchtlich. 

So funktioniert das smarte Wassermessgerät von CreevX

CreevX verwendet einen proprietären Sensor, der an der Leitung unter dem Wasserhahn angebracht wird und alle 15 Minuten vier Temperaturen misst: Warmwasser, Kaltwasser, Mischwasser und Umgebungstemperatur. Fällt oder steigt die Rohrtemperatur über einen längeren Zeitraum auf Raumtemperatur, erkennt das System, dass das Wasser stagniert. Alarme informieren Techniker, dass eine Spülung erforderlich ist. Eine erweiterte Version des Geräts verfügt zusätzlich über zwei batteriebetriebene Magnetventile. Erkennt die Plattform stehendes Wasser, öffnet sie die Ventile für die minimal erforderliche Dauer. Eine Lithiumbatterie versorgt Sensoren und Ventile bis zu fünf Jahre lang mit Strom. Die Geräte kommunizieren per LoRaWAN mit einem Gateway, das die Daten über eine SIM-Karte der Deutschen Telekom in die Cloud überträgt. 

Wassermanagement System von CreevX

Konnektivität, die mit dem Geschäft wächst

Die CreevX-Geräte kommunizieren innerhalb von Gebäuden über ein privates LoRaWAN-Netzwerk. Ein Gateway an jedem Standort überträgt die gesammelten Daten über eine IoT-SIM-Karte der Deutschen Telekom per Mobilfunk in die Cloud. Anders als WLAN funktioniert Mobilfunk unabhängig von der gebäudeeigenen IT-Infrastruktur und bietet zuverlässigen Empfang selbst in Kellern und Technikräumen. Die Telekom bietet Multi-Netzwerk-SIMs, die LTE und weitere Standards unterstützen. NarrowBand IoT zum Beispiel eignet sich besonders gut für Gebäudeumgebungen, in denen herkömmliche Signale dicke Wände oder unterirdische Etagen nur schwer durchdringen. 

Die Deutsche Telekom stellt CreevX einen einzigen Tarif bereit, der ganz Europa abdeckt. So kann das Unternehmen in neue Märkte expandieren, ohne mit lokalen Anbietern separate Verträge aushandeln zu müssen. CreevX ist bereits in Großbritannien und Irland aktiv und plant Monitoring-Projekte für Unternehmen wie Boeing und Pfizer in der EU. Auch aus dem Nahen Osten und Australien wächst das Interesse. 

CreevX – ausgewählte Projekte

  • Northern Ireland Water  
  • Dublin Airport  
  • Walisisches Parlament in Cardiff  
  • NHS (britischer Gesundheitsdienst)  
  • Boeing (UK, Irland)  
  • Amazon Fulfillment Center in Dublin  
  • Pfizer (UK und Europa)  
  • St. Luke's Hospital in Dublin 

Legionellen-Compliance – eine riesige Nische

„Die Nachfrage ist hoch, weil Legionellen-Compliance ein gewaltiges Problem ist, das gelöst werden muss", sagt Nelson. „Alle sagen uns, es sei ein Nischenbereich, aber es ist eine absolut riesige Nische." Die Vorschriften zur Legionellen-Compliance gelten europaweit – und die zugrundeliegenden Treiber wie hybride Arbeitsmodelle, alternde Gebäudeinfrastruktur und steigende Energiekosten werden nicht verschwinden.  

Für Gebäudebetreiber ist der Business Case eindeutig: CreevX-Kunden wie Northern Ireland Water haben ihre Compliance-Kosten um rund 60 Prozent gesenkt und gleichzeitig die CO₂-Emissionen um über 40 Tonnen pro Jahr reduziert – allein durch den Wegfall unnötiger Servicefahrten. Zugleich gewinnen sie etwas, das manuelle Prozesse nie bieten konnten: den überprüfbaren Nachweis, dass jeder Anschluss in jedem Gebäude regelkonform ist – jede Woche, auf Basis von Daten statt Vertrauen. 

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Poträtfoto Kerstin Koch

Kerstin Koch

Marketing Managerin IoT

Seit 2016 ist Kerstin Teil der IoT-Reise bei der Deutschen Telekom. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Marketing- und Kulturprojekten begleitet – immer mit dem Ziel, IoT greifbar und relevant zu machen. Dabei bringt sie komplexe Themen in eine verständliche, nutzerorientierte Sprache und rückt vor allem echte Kundenerfolge in den Mittelpunkt. Im IoT-Blog stellt sie ausgewählte Use Cases und Referenzen vor und zeigt, wie Unternehmen mit IoT messbaren Mehrwert erzielen.

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