Die 5 größten Missverständnisse rund um NB-IoT

06.02.2020 by Ümit Günes
Mehrere Smart Meter an einer Wand

NarrowBand IoT (NB-IoT) bietet ganz neue Möglichkeiten, Geräte und Maschinen im Internet der Dinge zu vernetzen. Einige Missverständnisse rund um den neuen Funkstandard halten sich jedoch hartnäckig.

„Warum soll ich jetzt in eine Zwischentechnologie investieren? Ich warte lieber auf 5G!“ oder „Kein Roaming, keine Firmware-Updates, keine Wechsel-SIM – NB-IoT schränkt mich zu sehr ein.“ – Vorurteile gegenüber NarrowBand IoT, die auf offenbar weit verbreiteten Missverständnissen beruhen. Zeit für einen Faktencheck.

Missverständnis #1: NB-Iot ist nur eine Zwischenlösung, bis 5G kommt.

Zwischenlösung ist irreführend und daher der falsche Begriff, Vorstufe trifft es eher. Bereits 2016 legte das 3rd Generation Partnership Project (3GPP) die Kriterien für den neuen Funkstandard NarrowBand IoT vor. Das internationale Gremium ist zuständig für Mobilfunkstandards und reagierte mit den Spezifikationen für NB-IoT auf eine wachsende Nachfrage für die Industrie 4.0: Wie lassen sich für die Digitalisierung der Industrie zukünftig Millionen Maschinen und Geräte schnell und kostengünstig miteinander vernetzen und ins Internet der Dinge (Internet of Things / IoT) einbinden, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln?

So stand bereits drei Jahre vor der Einführung von 5G eine Funktechnologie zur Verfügung, die für etliche Anwendungen im Industrial Internet of Things (IIoT) eine neue Lösung bietet (siehe Kasten). Nicht nur das: NB-IoT wird ein integraler Bestandteil des künftigen 5G-Netzes. Dieses soll drei Anforderungsprofile erfüllen:

  • noch schnelleres mobiles Internet (enhanced Mobile Broadband / eMBB) für breitbandige Datenverbindungen,
  • zuverlässige Vernetzung mit extrem kurzen Reaktionszeiten (Ultra-Reliable Low-Latency Communications / URLLC) etwa für Robotik oder autonomes Fahren sowie
  • Vernetzung von Milliarden IoT-Geräten weltweit (massive Machine Type Communications / mMTC).


Und genau für letzteres Szenario wurde NB-IoT entwickelt. 5G ist nämlich nicht nur als neuer Mobilfunkstandard konzipiert, sondern als übergreifende Netzstruktur. Dieses Netz der Zukunft wird so intelligent sein, dass es jeder Anwendung automatisch die passende Verbindungstechnologie zur Verfügung stellt – sei es 3G-, 4G- oder 5G-Mobilfunk, Festnetz, WLAN, LTE-M oder eben NB-IoT.

Missverständnis #2: Der Datendurchsatz von NB-IoT reicht nicht aus für IoT-Anwendungen.

Der Datendurchsatz bei NB-IoT – also die Rate der erfolgreich übertragenen Daten – kann einerseits durch äußere Faktoren begrenzt sein. Einschränkungen entstehen etwa durch die Batterie des Funkmoduls, die die notwendige Energie für die Übertragung der Informationen zur Verfügung stellen muss, das im Tarif enthaltene Datenvolumen oder auch bauliche Herausforderungen, die keine gute Verbindung zulassen. Andererseits ist die Bandbreite von NB-IoT auf 200 Kilohertz begrenzt, was lediglich Datenraten bis maximal 250 Kilobit pro Sekunde zulässt.

Anwendungsmöglichkeiten für NB-IoT

Geringe Datenmengen, geringer Energieverbrauch sowie geringe Kosten bei hoher Reichweite: NarrowBand IoT ist effizient, leistungsstark in Gebäuden und kostengünstig in großem Umfang für viele Branchen einsetzbar. Deshalb eignet sich die Technologie für viele IoT-Projekte und digitale Geschäftsmodelle im Internet der Dinge:
 

  • Fernauslesen von Energiezählern (Smart Metering)
  • Klima- und Energiesteuerung in Gebäuden (Smart Building)
  • Vernetzen von Straßenlaternen, Parkplätzen oder Mülltonnen (Smart City)
  • Auslesen von Sensordaten an Maschinen (Smart Factory)
  • Tracking von Gütern in der Logistik (Smart Logistics)

Aber – und das ist der springende Punkt: Diese Begrenzung der Bandbreite ist gewollt. Das Maschinen- und Sensorennetz NB-IoT wurde speziell für die Übertragung kleiner Datenpakete konzipiert. Wird zum Beispiel einmal pro Woche der Zählerstand eines Smart Meters abgefragt, entstehen nur minimale Datengrößen. Auch die Messdaten eines Sensors an einer Maschine müssen für eine vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) in der Produktion nicht kontinuierlich übertragen werden, sondern nur bei definierten Abweichungen. Die Beschränkung des Funktionsumfangs auf das Nötigste macht NB-IoT-Module deutlich energiesparender und zudem günstiger in der Herstellung als herkömmliche Mobilfunkmodule ­­– ein entscheidender Vorteil besonders für den Mittelstand.

Ein zweiter Vorteil der begrenzten Bandbreite: Die NB-IoT-Technologie kombiniert eine schmalbandiges, robustes Modulationsverfahren mit wiederholtem Senden der kleinen Datenpakete und erreicht so eine unschlagbar hohe Gebäudedurchdringung. Selbst aus Kellern heraus – dem bevorzugten Einsatzort von Energiezählern – erreicht die Technologie zuverlässige Verbindungen, wie ein groß angelegter Messtest von T-Systems und dem Immobiliendienstleister ista gezeigt hat.

Missverständnis #3: NB-IoT-Geräte haben keine SIM-Karte mehr an Bord.

Richtig ist: Die Geräte verfügen nicht über eine Wechsel-SIM wie ein Smartphone. SIM-Funktionen sind dennoch nötig, schließlich funkt NarrowBand IoT im lizenzierten LTE-Spektrum der Mobilfunkanbieter. Bei NB-IoT-Modulen ist die SIM fest ins Gerät integriert: als auf der Platine verlötete eSIM (embedded Subscriber Identity Module). Die Deutsche Telekom bietet Unternehmen mit der nuSIM ab Frühjahr 2020 eine Weiterentwicklung speziell für NB-IoT-Anwendungen an. Bei der nuSIM sind die SIM-Funktionen direkt im Modem-Chip integriert. Außerdem verzichtet sie auf Funktionen wie SMS und Sprache. Das macht sie stromsparender und kostengünstiger im Vergleich zur eSIM.

Missverständnis #4: NB-IoT erlaubt keine mobilen Anwendungen.

Dieses Vorurteil rührt daher, dass NB-IoT kein Handover unterstützt. Für Smartphones ist dieses unterbrechungsfreie Wechseln von Funkzelle zu Funkzelle unerlässlich – für viele IoT-Geräte aber nicht nötig. Ein Trackingmodul an einem Container beispielsweise muss seine Position während der Fahrt nicht durchgehend funken, kann sich daher ohne Datenverlust nach dem Verlassen einer Funkzelle einfach in der nächsten wieder einwählen. Selbst Roaming ist mittlerweile möglich: Das NB-IoT-Netz der Telekom etwa erlaubt eine mobile Nutzung über Ländergrenzen hinweg in Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und den Niederlanden; weitere Länder werden folgen.

Missverständnis #5: NB-IoT unterstützt keine Firmware-Updates.

NB-IoT bietet selbstverständlich einen zuverlässigen Downlink-Kanal für Firmware-Updates over the air (FOTA). Somit sind etwa wichtige Sicherheitsupdates – genau wie bei einem Smartphone – möglich, und zwar schritt- und gruppenweise. Geräte im Ruhemodus werden gleich nach dem „Aufwachen“ aktualisiert.

Fazit: Die vermeintlichen Schwächen von NarrowBand IoT entpuppen sich bei näherem Betrachten als notwendige Fokussierung aufs Wesentliche, um genau die Vorteile herauszukitzeln, für die der Funkstandard entwickelt wurde.


 

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Ümit Günes
Ümit Günes

Marketing Manager IoT

Seit 2015 arbeitet Ümit für die T-Systems und kennt sich in vielen Facetten des Internet der Dinge bestens aus. Er begeistert sich vor allem für Themen rund um die Digitalisierung der Geschäftswelt. Für den Blog berichtet er über neue Entwicklungen und Trends in der IoT-Welt, die für den Kunden einen echten Mehrwert bieten.