Wenn der Rettungswagen am Unfallort eintrifft, beginnt die professionelle Versorgung durch Notfallsanitäter. Zusätzlich müssen die Spezialisten den Zustand des Patienten sowie ihre Maßnahmen für die weitere Behandlung im Krankenhaus dokumentieren. Bis vor gut 20 Jahren lief das überwiegend analog: „Als wir damals anfingen, gab es im Rettungsdienst unglaublich viele Medienbrüche“, sagt Gunter Ernst, CEO und Mitgründer von medDV. „Die Leitstelle gab die Einsatzadresse per Funk durch. Am Einsatzort dokumentierten wir Vitalwerte, Medikamentengaben und den Patientenzustand handschriftlich auf Papier. Dieses Protokoll gaben wir im Krankenhaus ab und das Personal vor Ort versuchte, die handschriftlichen Notizen zu entziffern.“
Hinzu kam die mündliche Meldekette: Informationen zum Patienten wanderten bei einem Verkehrsunfall vom Rettungs- zum Feuerwehrteam, von dort zum Einsatzleitwagen, weiter zur Leitstelle und schließlich telefonisch ins Krankenhaus. Jede Station barg das Risiko, dass Informationen unvollständig oder falsch ankamen. „Wenn ein Ärzteteam bereitstand, das einen Schwerverletzten erwartete, und der Patient hatte nur eine Platzwunde, war das enorm ineffizient“, sagt Ernst. „Im umgekehrten Fall aber konnte es lebensbedrohlich werden.“
Gunter Ernst und sein Mitgründer Carsten Rausch arbeiteten jahrelang als Rettungsassistenten bei den Johannitern, auch auf Rettungshubschraubern. Um die Notfallkette zu digitalisieren, gründeten sie 2003 im mittelhessischen Fernwald medDV.