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Next11: Mit Sensoren gegen die Verletzungswelle im Fußball

Das dänische Start-up Next11 nutzt Sensoren, um das Verletzungsrisiko von Fußballerinnen und Fußballern zu überwachen. Über das globale IoT-Netz der Telekom werden die Daten übertragen und analysiert. 

Legs of football players with a foot sensor

In Kürze

  • Next11 misst mit kleinen Sensoren am Bein die tatsächliche Belastung der Spieler und stellt dem Trainerteam die Livedaten direkt zur Verfügung.
  • Machine Learning warnt Trainer in Echtzeit vor Überbelastungen und ermöglicht präventive Auswechslungen zum Schutz der Spielergesundheit.
  • Die globale Telekom-Konnektivität macht das System weltweit einsetzbar und ermöglicht den Datenzugriff auch über Mobilgeräte. 

Wie falsche Messungen zu fehlerhaften Annahmen führen

Die Zahlen sind alarmierend: Verletzungen im Fußball nehmen dramatisch zu, die Kosten explodieren. Die neueste Studie des britischen Versicherungskonzerns Howden zu Europas Top-5-Ligen (Deutschland, England, Spanien, Italien, Frankreich) zeigt mehr als 22.000 Verletzungen mit mehr als einem Tag Ausfall in den vergangenen fünf Jahren. Die deutsche Bundesliga verzeichnete allein in der Saison 24/25 fast 1.200 verletzungsbedingte Ausfälle. „Vor allem Oberschenkelverletzungen sind in den vergangenen 20 Jahren um 100 Prozent gestiegen“, sagt Nikolaj Thomassen, Gründer des dänischen Start-ups Next11. „Und bei schweren Kreuzbandrissen, einem großen Problem im professionellen Frauen- und Herrenfußball, kehren 50 Prozent aller Spieler nie wieder auf den Platz zurück.“  

Um Verletzungen vorzubeugen, setzen Trainer auf Tracking-Systeme, die die Belastung der Spieler überwachen sollen. Doch alle etablierten Lösungen haben ein fundamentales Problem: Sie messen laut Thomassen am falschen Ort. GPS-Systeme, lokale Positionierungssysteme und optische Tracking-Anlagen erfassen die Bewegungen am Oberkörper – nicht dort, wo die Verletzungen entstehen. „Man würde die Belastung der Beine eines Pferdes auch nicht mit Sensoren am Rücken des Jockeys messen“, bringt es Thomassen auf den Punkt. 

Das Problem bestehender Systeme liege auch in der 20 Jahre alten GPS-Technologie, die ursprünglich für Autos, Boote und Flugzeuge entwickelt worden sei – nicht für explosive Fußballbewegungen. „Diese Systeme basieren auf der falschen Annahme, dass schnelleres Laufen automatisch mehr Belastung für die Beine bedeutet“, sagt der Next11-CEO. „Wer schon einmal Squash gespielt hat, weiß, dass man nicht weit laufen muss, um völlig erschöpft zu sein.“

„Die Integration der Telekom-Konnektivität hat unser System von einer Beta-Version zu einem kommerziell konkurrenzfähigen Produkt gemacht. Die globale Verfügbarkeit ist entscheidend für unsere internationale Expansion.“ 

Nikolaj Thomassen, Gründer von Next11

Mit Sensorik und KI gegen Überbelastung

Deshalb hat Next11 eine Lösung entwickelt mit kleinen, nur 20 Gramm schweren Sensoren, die direkt in die Stutzen der Spieler gesteckt werden. Mit 50 Messungen pro Sekunde erfassen Beschleunigungsmesser alle Bewegungen in drei Dimensionen – 270.000 Datenpunkte pro 90-Minuten-Spiel und Spieler. Die Messwerte werden via Bluetooth live an eine Basisstation übertragen. Selbst in großen Stadien mit 40.000 Zuschauern funktioniere das reibungslos – wie bei EM-Spielen der dänischen Frauen-Nationalmannschaft bewiesen, sagt Thomassen. Die Basisstation sendet die komprimierten Daten per LTE über das globale Telekom-Netz in die Cloud. 

Die Next11-Cloud nutzt Machine Learning, um jeden Fußballer mit sich selbst zu vergleichen, also mit seinen Werten aus früheren Spielen und Trainingseinheiten. Trainer sehen in Echtzeit, wann ein Spieler an seine Kapazitätsgrenze stößt. „Wenn er nach 65 Minuten bereits sein Belastungsmaximum erreicht hat, bleiben noch 25 gefährliche Minuten im Spiel, in denen seine Beine müde werden“, warnt Thomassen.

Zusätzlich entwickelte Next11 in Kooperation mit dem Hersteller Derbystar einen intelligenten Ball. Sensoren im Ball erkennen, wer wie hart schießt, und messen Pässe, Ballbesitz und Passgenauigkeit. So lassen sich auch Rückschlüsse auf die Belastung der Beine einzelner Spieler ziehen. 

„Man würde die Belastung der Beine eines Pferdes auch nicht mit Sensoren am Rücken des Jockeys messen.“

Nikolaj Thomassen, Gründer Next11

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Weltweite Konnektivität für mobilen Zugriff und Expansionspläne

Die Partnerschaft mit der Telekom, die 2023 begann, erwies sich als geschäftskritisch. „Die Integration der Telekom-Konnektivität hat unser System von einer Beta-Version zu einem kommerziell konkurrenzfähigen Produkt gemacht“, sagt Thomassen. Die Informationen zu den Spielern erhält der Trainerstab jetzt live auf seine Tablets. Vor der LTE-Integration mussten Updates für das System zudem manuell über Kabel auf die Basisstation gespielt werden – ein umständlicher Prozess. Over-the-Air-Updates via LTE laufen nun automatisch im Hintergrund.  

Die globale Telekom-SIM funktioniert weltweit zuverlässig und sicher ohne geografische Einschränkungen. „Wir schätzen sehr, dass wir bei der Expansion in neue Länder wie Malaysia nicht erst mit lokalen Anbietern verhandeln müssen“, sagt Thorbjörn Mumme, Senior Engineer bei Next11.  

Rund 30 Teams nutzen das Next11-System bereits international, darunter die dänische Frauen-Nationalmannschaft, der 1. FFC Turbine Potsdam, die Jugendakademie von Paris St. Germain sowie Teams in Portugal, Norwegen und den USA. Das System funktioniert indoor und outdoor und wird auch im Handball und Eishockey eingesetzt. Next11 richtet sich gezielt an Nachwuchsclubs und Frauenvereine, für die bisher verfügbare Systeme mit Kosten von bis zu 20.000 Euro nicht bezahlbar sind. „Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, ein Tracking-System zu entwickeln, das sich jeder leisten kann“, sagt Mumme. Der anfängliche Fokus auf Frauenteams entstand strategisch: Der Frauenfußball war lange unterfinanziert und zeigte daher größere Offenheit für neue Technologien. „Von Kreuzbandrissen sind Frauen übrigens besonders betroffen“, sagt Thomassen. „Sie haben ein zehnfach höheres Risiko, besonders durch hormonelle Einflüsse, die zu weicheren Bändern und schnellerer Muskelermüdung führen.“ 

Verletzungstrends im europäischen Fußball

  • 22.596 Verletzungen zwischen 2020 und 2025 in den Top-5-Ligen
  • 30 % Anstieg der durchschnittlichen Ausfallzeiten
  • Saison 2024/25: Bundesliga mit 1.197 Verletzungen (Höchstwert)  
  • Eine Verletzung alle 569 Minuten – höchste Rate aller Ligen
  • Aber: durchschnittliche Ausfalldauer mit 19 Tagen unter dem Schnitt

Quelle: Howden Men's European Football Injury Index 2024/25 

Zukunftsmarkt USA

Aktuell befinden sich die Dänen in einer Finanzierungsrunde für die US-Expansion. Der amerikanische Markt ist besonders attraktiv: starker College-Sport, wachsende Jugendakademien und professionelle Ligen. „In den USA ist Frauenfußball zudem populärer als Männerfußball“, sagt Gründer Thomassen. Zudem steht die WM der Männer in den USA, Mexiko und Kanada vor der Tür. Die Telekom-Partnerschaft stärkt dabei das Vertrauen von Investoren, da sie die internationale Skalierbarkeit des Produkts demonstriert. „Ein lokaler Anbieter hätte nicht die gleiche Überzeugungskraft“, so Thomassen.

Das Ziel bleibt ehrgeizig: möglichst viele Vereine davon zu überzeugen, dass ihre aktuellen Daten unzureichend sind und sie ihre Spieler durch mangelnde Belastungssteuerung einem Verletzungsrisiko aussetzen. Mit der Telekom als globalem Partner und der wachsenden Evidenz für die Überlegenheit des Bein-Trackings will Next11 dabei helfen, die Verletzungswelle im Fußball einzudämmen. 

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Poträtfoto Kerstin Koch

Kerstin Koch

Marketing Managerin IoT

Seit 2016 ist Kerstin Teil der IoT-Reise bei der Deutschen Telekom. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Marketing- und Kulturprojekten begleitet – immer mit dem Ziel, IoT greifbar und relevant zu machen. Dabei bringt sie komplexe Themen in eine verständliche, nutzerorientierte Sprache und rückt vor allem echte Kundenerfolge in den Mittelpunkt. Im IoT-Blog stellt sie ausgewählte Use Cases und Referenzen vor und zeigt, wie Unternehmen mit IoT messbaren Mehrwert erzielen.

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